Gehaltsanstieg im Pflegebereich 5% über der regulären Lohnentwicklung
Eine
Pflegekraft in Deutschland verdient monatlich im
Durchschnitt 3.531 Euro brutto. Fachkräfte liegen leicht über diesem Betrag,
Hilfskräfte mit
2.559 Euro jedoch deutlich darunter. Betrachtet man die Entwicklung der
Entgelte in einem 5-Jahreszeitraum, so sind diese im Schnitt
um rund 17% angestiegen. Zur Einordnung: Die Entgelte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind im selben Zeitraum nur um 12% gestiegen. Damit liegt der Gehaltsanstieg im Pflegebereich 5% über der regulären Lohnentwicklung.
Bessere Bezahlung gefordert: Politik erhöht seit Pandemie Druck auf Arbeitgeber im Pflegebereich
In der Corona-Pandemie hat die Debatte über eine angemessene Bezahlung von Pflegekräften auch in der Gesellschaft neue Dynamik erhalten, zumal
den Krankenhäusern die Pflegekräfte ausgehen. Die Politik hat darauf reagiert:
Seit dem 1. September 2022 muss eine Pflegeeinrichtung, um als solche zugelassen zu sein, zudem entweder selbst
tarifgebunden sein oder ihre
Pflege- und Betreuungskräfte mindestens in Höhe von in der Region anwendbaren Pflege-Tarifverträgen entlohnen. Zum 1. Juli 2023 trat außerdem die neue Vorgabe zur Personalbemessung in der Pflege in Kraft. Jede vollstationäre Pflegeeinrichtung muss dann den individuellen Personalbedarf berechnen und entsprechend qualifiziertes Personal vorhalten. Für die tatsächliche Umsetzung gilt ein Übergangszeitraum bis 2025.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema:
Kasse warnt vor Gesundheitsrisiken bei ständigem Personalmangel
Erschienen am 19.04.2023 • Sind die Zusammenhänge zwischen Personalmangel und Krankenstand größer als bisher vermutet?
Erschienen am 19.04.2023 • Sind die Zusammenhänge zwischen Personalmangel und Krankenstand größer als bisher vermutet?
© vectorfusionart – stock.adobe.com
Lohnanstieg im Pflegebereich erhöht Kosten für Krankenversicherte
Die neuen Gesetze zur Bezahlung von Pflegekräften tragen dazu bei, dass die
Kosten für die Pflege in Pflegeheimen insgesamt ansteigen. Bei einem
Aufenthalt von bis zu 12 Monaten Dauer steigen die Gesamtkosten für Krankenversicherte von
2.199 Euro (Juli 2022) auf
2.548 Euro (Juli 2023). Dies entspricht einem
Anstieg von rund 16%. Bei längeren Heimaufenthalten steigen die Kosten ebenfalls – wenn auch nicht ganz so stark.
Medizinischer Fortschritt erhöht Zahl der Pflegebedürftigen
Auch für die Zukunft prognostiziert das Bundesgesundheitsministerium eine weitere Zunahme von Pflegebedürftigkeit: Wie die Grafik zeigt, rechnet das Bundesgesundheitsministerium
bis 2050 mit
6,5 Millionen pflegebedürftigen Menschen (+51,2%), die Zahl der Menschen über 80 erreicht fast die 10-Millionen-Marke (+68,4%). Ursache hierfür ist vor allem die stetig wachsende Zahl älterer Menschen in Folge einer besser werdenden medizinischen Versorgung. Der überwiegende Teil der Pflegebedürftigen ist bereits heute älter als 60 Jahre. Die Pflegequote steigt mit steigenden Alter an – von rund 16,7% in der Altersgruppe der 75- bis 80-Jährigen auf rund 81% bei den über 90-Jährigen.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema:
Was Ärzt:innen gegen Fachkräftemangel tun können
Erschienen am 28.06.2023 • Das Thema Personalbindung wird im Gesundheitswesen immer wichtiger. Welche Kompetenzen und Maßnahmen dabei gefragt sind, erfahren Sie hier!
Erschienen am 28.06.2023 • Das Thema Personalbindung wird im Gesundheitswesen immer wichtiger. Welche Kompetenzen und Maßnahmen dabei...
© Syda Productions – stock.adobe.com
Alternde Bevölkerung bedeutet steigenden Bedarf an Pflegekräften
Bereits heute herrscht ein
Pflegenotstand in Deutschland. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (
Trend der IW Köln lesen) könnten in Deutschland in der stationären Versorgung bereits
im Jahr 2035 rund 307.000 Pflegekräfte fehlen. Die
Versorgungslücke im Pflegebereich insgesamt könnte sich bis zu diesem Jahr auf insgesamt
knapp 500.000 Fachkräfte vergrößern. Um die Folgen des steigenden Bedarfs entgegenzuwirken, versucht die Bundesagentur für Arbeit
Pflegekräfte aus dem Ausland anzuwerben.