Gesellschaftliche Wahrnehmung und Vorurteile gegenüber Adipositas
Im Rahmen einer aktuellen Umfrage wurden die Bekanntheit von und der Umgang mit Adipositas evaluiert. Dabei wurden besonders 2 Perspektiven beleuchtet – die der Gesellschaft und die der Betroffenen. In Deutschland sind 16 Millionen Menschen von dieser chronischen Erkrankung betroffen, mit steigender Tendenz. Obwohl in der Bevölkerung inzwischen viel über die Ursachen diskutiert wird, sind Vorurteile gegenüber den Betroffenen stark verwurzelt.
Benachteiligung auch im Gesundheitswesen
Laut der Umfrage empfinden 24% der Bundesbürger:innen Menschen mit Adipositas als unästhetisch, etwa 19% sagen, sie hätten keine Disziplin, und rund 18% sind der Meinung, dass sie selbst schuld an ihrer Erkrankung seien (1). Das spüren auch die Betroffenen. Jede 2. befragte Person mit Adipositas erfährt häufig Benachteiligungen aufgrund des Gewichts – auch im Gesundheitswesen. Nur rund ein Drittel der Befragten hat das Gefühl, in ärztlicher Behandlung offen über das Gewicht sprechen zu können (1). Ärzt:innen können einen bedeutsamen Unterschied machen und ihre Patient:innen mit Adipositas aktiv ansprechen. Eine empathische und unterstützende Gesprächsführung hilft den Patient:innen, sich den Herausforderungen einer ganzheitlichen Behandlung zu stellen.
Adipostas: Wo Betroffene Benachteiligung erleben
In der Umfrage wurden sowohl die bundesdeutsche Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren (2.500 Personen) als auch Menschen mit Adipositas befragt. Dabei wurde unterschieden zwischen Menschen, die sich selbst als stark übergewichtig bezeichnen und sich häufig mit dem Thema Adipositas beschäftigen (1.500 Personen), und solchen, die sich selbst als stark übergewichtig bezeichnen, sich häufig mit dem Thema Adipositas beschäftigen und sich aufgrund ihres Gewichts benachteiligt fühlen (1.000 Personen). Diskriminierung erleben Menschen mit starkem Übergewicht, die sich gewichtsbedingt benachteiligt fühlen, unter anderem im Gesundheitswesen (46,8%), am Arbeitsplatz (44,2%), bei Freizeitaktivitäten, z. B. im Verein oder beim Shopping im Geschäft (38,5%) sowie in der Schule oder Universität (34,2%) (1).
Betroffene wünschen sich weniger Stigmatisierung und bessere Gesundheitsversorgung
Wie die Betroffenen mit der erlebten Diskriminierung umgehen, ist sehr unterschiedlich: Nur ein Viertel der Befragten stellt die diskriminierende Person direkt zur Rede. Mehr als die Hälfte (54,3%) ignoriert Diskriminierung und 43,5% der Befragten vermeiden Situationen, in denen sie diskriminiert werden. Letzteres kann für die gesundheitliche Versorgung ein Problem darstellen. Um die Stigmatisierung von Personen mit Adipositas zu reduzieren, wünschen sich Betroffene beispielsweise mehr „Vielfalt in der Modebranche“ (49,4%). Aber die Gesundheit steht im Fokus: 62,4% der Personen, die sich aufgrund ihres Gewichts benachteiligt fühlen, wünschen sich eine „bessere Gesundheitsvorsorge“, einhergehend mit einer „besseren Schulung medizinischen Personals“ (44,9%).
Unbeliebtes Thema Adipositas: proaktiv auf Betroffene zugehen
Ein besseres Verständnis der Patient:innenperspektive bietet Ärzt:innen die Chance, die Versorgung der Betroffenen gezielt zu verbessern und den Behandlungserfolg zu steigern. Nur ein Drittel der befragten Personen mit Adipositas (33,4%) gab an, in ärztlicher Behandlung offen über ihr Gewicht sprechen zu können, und 20,7% haben das Gefühl, sogar vom Arzt oder der Ärztin verurteilt zu werden. Nur ein Bruchteil fühlt sich proaktiv (4,9%) und kompetent (14,5%) zu Übergewicht beraten und nur 18,9% der Befragten gaben an, sachlich beraten zu werden. Allerdings sprechen die Betroffenen selbst nicht gern darüber: 21,2% fühlen sich unwohl dabei, über ihr Gewicht zu sprechen, und 16,7% möchten gar nicht darüber reden. Ein Grund mehr, das Thema in der Praxis proaktiv anzusprechen.
Quelle:Novo Nordisk
Literatur:
(1) Meinungsforschungsinstitut Civey, Umfrage zum Welt-Adipositastag „Bekanntheit und Benachteiligung aus zwei Perspektiven“, Februar 2025.