Neuer Therapieansatz: Schutz für Betazellen bei Diabetes
Ein internationales Forschungsteam hat einen neuartigen Ansatz entwickelt, um insulinproduzierende Betazellen vor diabetesbedingten Schäden zu schützen. Mithilfe spezieller Moleküle – sogenannter molekularer Klebstoffe – wird eine entscheidende Protein-Interaktion stabilisiert, die den Zelltod verhindert. Die Ergebnisse wurden in Nature Communications veröffentlicht und könnten die Grundlage für innovative Therapien bilden (1).
Glukolipotoxizität als Ursache für Betazell-Schäden
Diabetes geht häufig mit einem fortschreitenden Versagen der Betazellen in der Bauchspeicheldrüse einher. Besonders bei Typ-2-Diabetes führt die dauerhafte Belastung durch hohe Zucker- und Fettwerte im Blut – die sogenannte Glukolipotoxizität – dazu, dass die Betazellen geschädigt und schließlich zerstört werden. Ohne diese Zellen kann der Körper kein Insulin mehr produzieren, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren.
Proteinbindung als Schlüssel zum Zellschutz
Ein Forschungsteam der Universität Duisburg-Essen, der Icahn School of Medicine am Mount Sinai (USA) und der Technischen Universität Eindhoven (Niederlande) hat einen entscheidenden Mechanismus entschlüsselt: Unter normalen Bedingungen schützen verschiedene Faktoren die Betazellen, indem sie eine Bindung zwischen dem Transkriptionsfaktor ChREBPα und dem Protein 14-3-3 fördern. Bei dauerhaft erhöhtem Blutzuckerspiegel versagt jedoch dieser Schutz – die Bindung löst sich, und die Betazellen werden anfällig für die schädliche Wirkung von Zucker und Fetten.
Genau hier setzt der neue Therapieansatz an: Die Forschenden entwickelten molekulare Klebstoffe, die die Bindung zwischen ChREBPα und 14-3-3 gezielt stabilisieren. So werden die Betazellen vor toxischen Einflüssen geschützt und ihr Funktionsverlust aufgehalten – mit dem Potenzial, das Fortschreiten von Diabetes zu verlangsamen.
Therapeutisches Potenzial molekularer Klebstoffe
Transkriptionsfaktoren wie ChREBP galten bislang als schwer zugängliche Zielstrukturen für Medikamente. Die nun entdeckte Strategie eröffnet neue Perspektiven. Die Entdeckung könnte die Behandlung von Diabetes grundlegend verändern und bestehende Therapien ergänzen um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.
Im nächsten Schritt sollen die molekularen Klebstoffe weiter optimiert und in präklinischen Modellen getestet werden. Gelingt die Weiterentwicklung, könnten diese Wirkstoffe einen entscheidenden Beitrag zur Behandlung von Diabetes leisten – und Millionen Betroffenen neue Hoffnung geben.
Quelle:Universität Duisburg-Essen
Literatur:
- (1)
Katz L. et al. (2025) Molecular glues of the regulatory ChREBP/14-3-3 complex protect beta cells from glucolipotoxicity, Nat Commun 16, 2110 (2025), DOI: 10.1038/s41467-025-57241-7.